Beim geschlechtergerechten Schreiben geht es nicht um Kosmetik, sondern um Präzision, Respekt und Lesbarkeit. Bei der Bezeichnung für Praktikantinnen und Praktikanten gibt es deshalb nicht nur eine einzige Lösung, sondern mehrere Varianten, die je nach Textsorte sehr unterschiedlich gut wirken. Ich zeige hier, welche Formulierungen im Deutschen wirklich tragfähig sind, wann neutrale Umschreibungen stärker sind und wo Sonderzeichen eher helfen als stören.
Die wichtigste Richtung ist meist neutral und klar
- Die sauberste Lösung ist oft eine neutrale Umschreibung wie „Person im Praktikum“.
- Doppelnennungen wie „Praktikantinnen und Praktikanten“ sind eindeutig, aber schnell lang.
- Genderstern, Doppelpunkt und ähnliche Formen werden im Alltag verwendet, sind aber nicht überall erwünscht.
- In Behörden, Schulen und barrierearmen Texten haben gut vorlesbare Formulierungen klare Vorteile.
- In Stellenanzeigen sollte nicht nur der Titel, sondern der ganze Text geschlechtsneutral gedacht werden.
Praktikant gendern ohne Stilbruch
Der Begriff „Praktikant“ ist sprachlich etwas sperriger als viele andere Personenbezeichnungen. Anders als bei „Studierende“ lässt sich daraus keine wirklich elegante neutrale Form mit Partizip bauen, die natürlich und überall gut klingt. Genau deshalb landet man bei diesem Wort schneller bei Umschreibungen, Paarformen oder markierten Schreibweisen.
Für mich ist die entscheidende Frage nicht, ob eine Form theoretisch existiert, sondern ob sie im Satz ruhig, klar und glaubwürdig bleibt. Ein guter Text soll Menschen einschließen, ohne den Lesefluss zu opfern. Das passt auch zu den Kriterien, die in Deutschland für geschlechtergerechte Texte immer wieder betont werden: Verständlichkeit, Lesbarkeit und Vorlesbarkeit sind wichtiger als ein auffälliges Zeichen im Wortinneren.Wer bei Praktikums-Texten also nur nach einer „einen richtigen“ Lösung sucht, denkt zu eng. In der Praxis geht es um Kontext, Publikum und Zweck des Textes. Und genau daraus ergibt sich die passende Form im nächsten Schritt.

Welche Schreibweise in der Praxis am besten funktioniert
Ich würde bei diesem Wort nie ohne Kontext entscheiden. Ein Recruiting-Text braucht etwas anderes als ein interner Leitfaden, und ein Behördenformular etwas anderes als ein Blogartikel. Die folgende Einordnung zeigt, wie ich die gängigen Varianten praktisch gewichte.
| Variante | Beispiel | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Neutrale Umschreibung | Person im Praktikum | Sehr klar, gut lesbar, meist barrierearm | Etwas länger, nicht immer elegant im engen Satzbau |
| Doppelnennung | Praktikantinnen und Praktikanten | Maximal eindeutig, sprachlich transparent | Wird in längeren Texten schnell schwerfällig |
| Genderzeichen | Praktikant*innen oder Praktikant:innen | Komprimiert, in vielen Teams etabliert | Nicht überall akzeptiert, für manche Lesesituationen weniger angenehm |
| Verkürzte Paarform | Praktikant/-in | In Formularen und knappen Texten oft praktikabel | Wirkt technisch und ist stilistisch nicht immer schön |
Mein pragmatischer Maßstab ist einfach: Je öffentlicher, formeller und vorgelesener ein Text ist, desto eher bevorzuge ich die neutrale Umschreibung. Je stärker ein Hausstil auf markierte Schreibweisen setzt, desto eher kann eine Kurzform sinnvoll sein. Entscheidend ist nicht die Symbolik, sondern ob der Text sauber funktioniert.
Damit ist die Auswahl der Form schon deutlich klarer. Im nächsten Schritt lohnt sich der Blick auf die neutralen Alternativen, die im Alltag wirklich tragen.
Welche neutralen Umschreibungen ich bevorzuge
Wenn ich neutral formuliere, suche ich zuerst nach einer Lösung, die weder künstlich noch bürokratisch klingt. Am besten funktionieren meist einfache Umstellungen mit „Person“, „Menschen“ oder einer konkreten Funktionsbeschreibung. Genau dort liegt oft die stärkste, weil ruhigste Lösung.
Singular
- Person im Praktikum - sehr klar und alltagstauglich.
- Person, die ein Praktikum absolviert - etwas formeller, aber präzise.
- Praktikumsinteressierte Person - passend, wenn es um Bewerbende geht.
- Praktikumsplatz für eine Person - gut, wenn die Stelle selbst im Mittelpunkt steht.
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Plural
- Personen im Praktikum - neutral und sauber.
- Menschen im Praktikum - sehr verständlich, leicht zugänglich.
- Bewerbende für ein Praktikum - stark, wenn es um die Ausschreibung geht.
Ich setze solche Formulierungen gern ein, weil sie ohne Umweg sagen, worum es geht. Ein Satz wie „Die Person im Praktikum unterstützt das Redaktionsteam bei Recherchen“ liest sich meist ruhiger als jede markierte Kurzform. Wichtig ist nur, dass die Umschreibung den tatsächlichen Inhalt trifft und nicht plötzlich eine andere Rolle behauptet.
Ein häufiger Fehler ist zum Beispiel, reflexhaft „Studierende“ zu verwenden, obwohl die Person gar nicht studiert. Solche scheinbar neutralen Lösungen sind nur dann gut, wenn sie fachlich stimmen. Genau deshalb prüfe ich bei jedem Text zuerst den tatsächlichen Status der Person und erst dann die passende Sprachform.
Wenn eine neutrale Umschreibung nicht elegant passt, kommt die Frage nach Sonderzeichen und Paarformen auf. Genau dort wird es sprachlich und redaktionell interessanter.
Wann Sonderzeichen sinnvoll sind und wann ich sie meide
Genderstern, Doppelpunkt und ähnliche Formen haben ihren Platz, aber eben nicht als Universalantwort. Im Alltag sehe ich sie vor allem dort, wo ein Textstil bewusst inklusiv markiert sein soll und der Leserkreis damit vertraut ist. In offiziellen oder stark normierten Kontexten bin ich deutlich zurückhaltender.
Der Grund ist schlicht: Sonderzeichen im Wortinneren machen Texte nicht automatisch besser. Sie können sichtbarer machen, dass alle Geschlechter gemeint sind, aber sie erschweren manchen Menschen das Lesen, Vorlesen oder schnelle Erfassen. Deshalb halte ich sie für eine Stilentscheidung, nicht für den Standard, der immer gewinnt.
Für Behörden, Schulen, Dokumente mit hoher formaler Bindung und barrierearme Kommunikation ist die neutrale Umschreibung meist stärker. Das wirkt weniger aktivistisch, aber oft professioneller. Der Punkt ist nicht, ein Zeichen zu vermeiden, sondern einen Text zu schreiben, der seine Aufgabe ohne Reibung erfüllt.
In redaktionellen oder unternehmensinternen Texten kann der Doppelpunkt für manche Teams ein brauchbarer Mittelweg sein, weil er optisch etwas ruhiger wirkt als andere Sonderzeichen. Trotzdem bleibt für mich dieselbe Regel gültig: Wenn die Lesbarkeit darunter leidet, ist die Form nicht gut genug. Und gerade bei Stellenanzeigen zeigt sich schnell, welche Lösung wirklich trägt.
So formuliere ich Stellenanzeigen und interne Texte
Bei Praktikumsstellen in Deutschland denke ich sofort an zwei Ebenen: den Titel und den Fließtext. Ein neutraler Titel reicht nicht, wenn der Rest der Anzeige wieder in alten Mustern steckt. Umgekehrt kann ein sauber formulierter Text viel gewinnen, wenn er die Rolle konkret beschreibt statt nur ein Geschlecht mitzuschreiben.
So würde ich typische Sätze umarbeiten:
- Statt „Wir suchen einen Praktikanten für unser Marketingteam“ schreibe ich lieber „Wir suchen eine Person für ein Praktikum im Marketing“.
- Statt „Der Praktikant unterstützt die Redaktion“ formuliere ich „Die Person im Praktikum unterstützt die Redaktion“.
- Statt „Praktikantinnen und Praktikanten erhalten Zugang zu allen Tools“ nutze ich „Alle Personen im Praktikum erhalten Zugang zu allen Tools“.
In der Praxis ist das oft präziser als jede dekorative Genderform. Ich mag daran besonders, dass die Aufgabe im Vordergrund bleibt und nicht die Grammatikakrobatik. Wer gute Stellenanzeigen schreibt, denkt ohnehin nicht nur an Sprache, sondern an Zugänglichkeit, Klarheit und Fairness im gesamten Bewerbungsprozess.
Wenn ich eine Anzeige prüfe, gehe ich deshalb in dieser Reihenfolge vor: Titel, Aufgaben, Anforderungen, Benefits, Anrede. Wenn jeder dieser Punkte neutral und konkret formuliert ist, wirkt die Anzeige glaubwürdiger und deutlich sauberer. Der nächste Schritt ist dann nur noch die konsequente Feinjustierung.
Welche Lösung im Alltag am wenigsten Reibung erzeugt
Meine klare Empfehlung ist simpel: Für die meisten Texte funktioniert eine neutrale Umschreibung besser als eine sichtbare Gender-Markierung. „Person im Praktikum“ oder eine noch genauere Funktionsbeschreibung ist meist die ruhigste, lesbarste und fachlich solideste Variante. Wenn ein Hausstil etwas anderes verlangt, kann die Doppelnennung die sicherste explizite Form sein.
Ich würde Sonderzeichen nur dann setzen, wenn sie zum Medium, zur Zielgruppe und zur redaktionellen Linie wirklich passen. Wer sich auf Vorlesbarkeit, Verständlichkeit und sachliche Klarheit konzentriert, landet bei Praktikums-Texten fast automatisch bei besseren Formulierungen. Genau darin liegt für mich der praktische Kern dieses Themas.
Am Ende geht es nicht darum, möglichst auffällig zu gendern, sondern möglichst präzise und respektvoll zu schreiben. Wer das Prinzip einmal verstanden hat, findet für Praktika, Ausschreibungen und redaktionelle Texte schnell eine Form, die weder steif noch halbherzig wirkt.