Kolumne zur Gerechtigkeit in Zeiten von Corona

Liebe Münchnerinnen und Münchner,

angesichts der täglichen Menge an Berichten um die Corona-Pandemie könnte man glauben, dass es kaum noch neue Diskussionsthemen darüber gibt. Allerdings stelle ich sowohl im politischen Berlin als auch in privaten Gesprächen fest, dass moralische oder ethische Aspekte bisher noch wenig im Blickpunkt stehen. Nur sporadisch wurden diese bei Fragen nach der Impfpflicht für medizinisches Personal oder der Definition der Risikogruppen bei den Impfungen angesprochen. Nur selten sind Vertreter der Ethik-Kommission der Bundesregierung in den Medien zu sehen. Es steht außer Frage, dass aktuell der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung, das Impfen, die Schule und Hilfen für die Wirtschaft höchste Priorität haben. Aber ich rate dazu, schon jetzt einen Ausblick in den Frühling zu wagen. Denn das Ende der harten Einschränkungen wird der Beginn von Diskussionen über die Gerechtigkeit der Öffnungen und gesellschaftliche Teilhabe sein. Schon jetzt merken wir im öffentlichen Meinungsklima, dass die getroffenen Maßnahmen nicht immer für alle gerecht erscheinen. Doch die Fragen werden kommen: Wer sollte zuerst öffnen? Schulen oder Einzelhandel? Gastronomie und Kultur? Sollten geimpfte Menschen weniger Einschränkungen haben? Darf der Arbeitgeber verlangen, dass sich die Angestellten impfen? Sollen Steuern erhöht oder eingeführt werden, um den Staatshaushalt zu sanieren, wenn die Corona-Hilfen nochmal verlängert werden? Wie lange können wir die sozialen, psychischen, kulturellen und wirtschaftlichen Nebenwirkungen von Corona noch ganz hinter den Schutz der Gesundheit stellen?

Eine Frage der Gerechtigkeit

Ich weiß, wie schwierig diese Fragen jeweils zu beantworten sind. Denn jede einzelne ist in sich kompliziert und kann weitreichende Folgen mit sich bringen. Gerade wir in der CSU versuchen als Volkspartei immer, allen Bürgerinnen und Bürgern gerecht zu werden. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir als politisch Verantwortliche jedem die bestmöglichsten Rahmenbedingungen für die Gestaltung seines Lebens geben müssen. Unsere Basis ist ein christliches, soziales und liberales Wertesystem. Unsere Politik ist von globaler Weitsicht, individueller Umsicht und sozialer Nachhaltigkeit geprägt. Mit dieser Haltung werden wir uns diesen Fragen stellen und die besten Lösungen suchen.

Lassen Sie uns diskutieren.

Ich lade Sie ein, mit mir in meinen Online-Bürgersprechstunden über diese oder natürlich Ihre Themen zu sprechen. Schreiben Sie mir und wir vereinbaren einen Termin.

Ihr Bernhard Loos

Gerechtigkeit in Zeiten von Corona

Münchner Nordrundschau, 03.02.2021